Im Februar ist Hadija Haruna-Oelkers Vater gestorben. Sein Bild steht in ihrem Zimmer, jeden Morgen begrüßt sie ihn, und das innere Gespräch mit ihm hat nicht aufgehört. Die Journalistin, Autorin und Moderatorin verbindet in dieser Folge zwei Formen von Trauer, die selten zusammen besprochen werden: die private um einen geliebten Menschen und die politische um Menschen, die das öffentliche Erinnern gern übergeht.
Hadija erzählt von ihren ghanaischen und unterfränkischen Wurzeln, von Fragen, die sie ihren Großeltern nicht mehr stellen kann, und von dem Moment mit 16, als ihr das Buch „Farbe bekennen“ zeigte, dass es Schwarze deutsche Geschichte gibt, auch wenn sie kaum erzählt wird. Mit Lea und Michael spricht sie über den Kampf der Angehörigen von Hanau, die Namen der Ermordeten zu nennen und nicht den des Täters. Zur Erinnerung: Am 19. Februar 2020 erschoss ein 43-jähriger Deutscher in Hanau neun Menschen aus rassistischen Motiven. Wer Namen kennt und wiederholt, holt Menschen aus der Anonymität und gibt ihnen ein Gesicht und eine Geschichte.
Es geht um das gut gemeinte Schweigen in Familien, das Unverarbeitetes an die nächste Generation weitergibt. Es geht um ihr Kind, mit dem sie ganz selbstverständlich über den Opa spricht, und um ein Erinnern, das nicht beim Ritual am Jahrestag stehen bleibt, sondern Verantwortung für heute übernimmt. Für Hadija heißt das: „Wenn ich mit den Toten fühle, dann gehe ich mit den Lebenden heute.“
Wer einem trauernden Menschen begegnet, muss den Namen des Verstorbenen nicht meiden. Hadijas Rat dazu: „Hab keine Angst, darüber zu reden. Es wird dir guttun und bedeutet auch, zu heilen und nicht allein zu sein.“
Hadija Haruna-Oelker hostet mit Max Czollek den Podcast „Trauer und Turnschuh“. Gemeinsam haben die beiden das Buch „Alles auf Anfang“ geschrieben.
Mutmacher konkret
Am Ende der Folge ordnet die Psychologin Dr. Nele Stadtbäumer den Mutmacher „Trag die Namen weiter“ ein und zeigt, was man im Alltag konkret tun kann. Nele ist Mitgründerin von grievy, der digitalen Trauerbegleitung. Ihr Buch „Shades of Grief – Dein Trauer-Guide durch die vielfältige Gefühlswelt des Abschiednehmens“ ist im EMF Verlag erschienen.
Über Sterben & Trauern
In „Sterben & Trauern“ sprechen Lea Reinhard und ihr Vater Michael Reinhard mit Menschen über Abschied, Tod und Trauer und darüber, was das für unser Leben bedeutet. Die dritte Staffel „Trau dich, hinzusehen“ stellt zehn Mutmacher-Impulse für ein bewusstes Leben mit dem Tod vor. Nicht der Tod ist unser Thema. Das Leben ist es.
Kanäle
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Bücher (Verlag Herder)
„Sterben ungeschminkt“ (mit Prof. Dr. Ernst Engelke)
„Mit der Trauer weiterleben“
Neu ab Januar 2027: „weil heute zählt“
