Mutmacher 3: Wie Nadja der Sterblichkeit in die Augen schaut

Nadja Seipel ist Mutter, Ehefrau, Tierliebhaberin – und palliative Patientin. 2015 bekam sie die Diagnose Brustkrebs, überstand Behandlungen und Operationen und schöpfte Hoffnung. 2021 kam die zweite Diagnose: Der Krebs war zurück, hatte gestreut, war nicht mehr heilbar. Die Ärzte sprachen von wenigen Monaten, die sie noch zu leben habe. Aus diesen Monaten sind bis heute Jahre geworden.

Dieses Gespräch hat Lea gemeinsam mit Meike Schmid aus dem Team von „Sterben & Trauern“ geführt. Nadja nimmt die beiden mit in den Moment der zweiten Diagnose – ein älterer Professor, der ihr mit feuchten Augen sagte, dass er selbst in Pension geht, weil er so viele Rückkehrerinnen nicht mehr ertragen könne. Und sie erzählt, was seither anders ist. Wie vieles, das früher wichtig schien – das Auto, das Haus, die Handtasche –, in den Hintergrund gerückt ist. Und wie das Eigentliche in den Vordergrund trat: die Familie, die Freunde, die Zeit.

Nadja ist nach der Diagnose 600 Kilometer gepilgert, um sich über ihr Leben klar zu werden. Sie hat sich mit ihrer Familie einen Camper gekauft, statt lange zu sparen. Sie schenkt ihrer Mutter Städtereisen – jetzt, nicht irgendwann. Und sie macht unzählige Fotos, damit sie eines Tages, wie sie sagt, auf ihrer letzten Liege in diesen Erinnerungen sein kann und nicht im Schmerz. Für ihre Tochter, die sie kaum anders kennt als mit der Erkrankung, will sie ein Vorbild sein: dass man auch mit einer schweren Diagnose das Leben genießen kann. Ein Gespräch über die Endlichkeit, die Hoffnung – und darüber, was bleibt, wenn man das Wichtige nicht mehr aufschiebt.

Neu in dieser Staffel: „Mutmacher konkret“

Am Ende jeder Folge holen wir künftig das große Thema herunter in den Alltag. Die Psychologin Dr. Nele Stadtbäumer ordnet den jeweiligen Mutmacher-Impuls ein und gibt konkrete Tipps für dein eigenes Leben – klar, warm und praktisch. Nele ist promovierte Psychologin, Trauerbegleiterin und Gründerin von grievy, einem digitalen Begleiter für Trauernde. Nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters hat sie ihre Erfahrung und ihr Fachwissen zusammengebracht. Am 7. Oktober erscheint ihr Buch „Shades of Grief“ (Edition Michael Fischer / EMF Verlag), in dem sie den vielen Facetten der Trauer nachgeht – einfühlsam und fern von richtig oder falsch.

Über „Sterben & Trauern“

„Sterben & Trauern“ ist kein Podcast über den Tod. Es ist ein Podcast über das Leben. Lea und Michael Reinhard, Tochter und Vater, beide Journalisten, sprechen mit Menschen, die dem Tod begegnet sind – und fragen, was ihre Erfahrungen uns über das Leben verraten. Ohne Pathos, ohne schnelle Lösungen, ohne Floskeln.

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